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Saral Sarkar, ein in Deutschland lebender Inder, wird
deutlich: Die Wirtschaften der Industrieländer müssen schrumpfen,
Nachhaltigkeit im Kapitalismus gibt es nicht, der Sozialismus bleibt ein
moralisches Projekt. «Es liegt nicht im Interesse der Arbeiter-Innen
in der Ersten Welt, die Forderung zu unterstützen, dass ArbeiterInnen
in der Dritten Welt die gleichen Löhne bekommen wie sie. Entweder
unterstützen sie sie aus moralischen Gründen oder gar nicht.»
Und gleich noch einmal bringt Sarkar den im politischen Diskurs inzwischen
verpönten Begriff ins Spiel, nämlich wenn es um künftige
Generationen geht und die Nach-mirdie-Sintflut-Haltung: «Nur ein
Sinn für Moral hält uns davon ab, so zu denken.» Ist dieser
Fortschritt zu verantwortlichem Denken und Handeln möglich? Bei seinem
vorsichtigen Ja beruft sich der Autor auf Erich Fromm.
Vielleicht ist dieser Anspruch, sein Bestehen auf einer vor Jahrzehnten
noch weit herum geteilten Hoffnung, heute die grössere Provokation
als das, was Sarkar über ökologische Notwendigkeiten und die
Katastrophen des Kapitalismus ins Feld führt. Die sehen wir ja im
Grunde genommen alle, in wachen Momenten. Hier wird nur noch einmal zusammengefasst.
Schritt für Schritt, manchmal ermüdend. Offensichtlich soll
uns durch das Wiederholen gewisser Kernpunkte ein Ausweichen verunmöglicht
werden. Zu gern hörten wir doch, Wohlstand liesse sich bei halbiertem
Verbrauch der Ressourcen sogar verdoppeln, die Ökologie müsse
nicht wachstumsfeindlich sein. Doch, sie muss! Für uns ganz sicher.
Dass der Autor schon von seiner Person her stets die arme und die reiche
Welt als Gesamtes im Blick hat, macht das Buch stark. Dabei ist er auf
alle Seiten unbequem. Etwa in der Bevölkerungsfrage. Der plötzlichen
Begeisterung für indigene Völker und jeder Naturschwärmerei
begegnet er mit Skepsis. Umgekehrt wirkt sein Vertrauen in vernünftige
Planung fast naiv. Doch dass die Umsetzung von Ideen ihre Tücken
hat und Sozialismus zumal in Verbindung mit Verzicht alles andere als
populär ist, weiss er. Er nahm grün-alternative Politik nicht
nur als Publizist für eine Studie der United Nations University unter
die Lupe, er war von 1982 bis 1987 selbst Mitglied der deutschen Grünen.
Damals dominierten dort Leute aus sozialistischem Umfeld. Sie verbanden
die Vorstellungen vom ökologischen Umbau der Industriegesellschaft
mit traditionell linker Politik: «Heute ist das Ideal der Bündnisgrünen
einfach der Öko-Kapitalismus.»
Sarkar engagiert sich jetzt mit Maria Mies, seiner Lebensgefährtin
und Autorin einer Dokumentation zur «Globalisierung von unten»,
im allgemeinen Aufbruch gegen den Neoliberalismus. Dass er weiter auf
Sozialismus setzt, einen ohne Anführungszeichen, könnte trotzig
erscheinen. Sicher sei das «ein Hut, der seine Form verloren hat,
weil ihn zu viele Leute getragen haben». Ähnliches gelte für
den Begriff Grün. Doch beides steht bei ihm für Überlebensnotwendigkeiten.
Mit einem radikalen Öko-Sozialismus sind sie neu zu verknüpfen;
eine umfassende Bewegung braucht «eine umfassende Theorie, eine
umfassende Analyse ». In diesem Sinne ist der vorliegende Entwurf,
bei etlichen Vorbehalten und Zweifeln im Detail, zu empfehlen.
Hans Steiger
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