A Man of Integrity

Laura Lots, 1. April 2018
Neue Wege 4/2018
Reza züchtet Goldfische (trigon-film)

Reza züchtet Goldfische (trigon-film)

Reza hat sich im Norden Irans niedergelassen. Mit seiner Frau Hadis, einer Schulleiterin, und seinem kleinen Sohn, lebt er auf dem Land. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit seiner Goldfischzucht. Von Idylle ist jedoch keine Spur. Reza musste Teheran verlassen, weil er sich politisch engagierte. Schulden lasten auf ihm und seinem kleinen Betrieb. Der Mitarbeiter einer Bank weist ihm einen Ausweg: Ein bisschen Schmiergeld hier und da, und Reza wäre seine Sorgen mit einem Schlag los. Doch Reza weigert sich: «Ich zahle kein Schmiergeld!»

Als kurz darauf all seine Fische verenden, glaubt Reza nicht an Zufall. Er vermutet, dass «der Betrieb» dahintersteckt, eine mafiöse Organisation, die das System der Korruption vor Ort organisiert und Beamte und Richter in der Hand hat. Reza verliert seine Existenzgrundlage. Seine Frau Hadis rät ihm, seine Gegner zu bestechen und damit all seine Probleme zu lösen. Doch Reza hält stur an seinen moralischen Überzeugungen fest. Je verbissener er nach einem Ausweg sucht, desto mehr Feinde macht er sich. Er startet einen Rachefeldzug, in dessen Verlauf die Grenzen zwischen Rechtschaffenheit und Korrumpierbarkeit verschwimmen.

Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof erzählt in seinem Spielfilm A Man of Integrity vom Kampf eines Einzelnen gegen ein übermächtiges System. Beim Filmfestival in Cannes 2017 wurde sein Drama mit dem Preis als bester Film in der Sektion «Un Certain Regard» ausgezeichnet. In iranischen Kinos darf das Drama nicht gezeigt werden. Zu heikel sind die Themen, die der Filmemacher auf die Leinwand bringt: Er rückt den Filz, der Staat, Wirtschaft und Justiz beherrscht, in den Fokus und zeigt den Alltag auf dem Land, in dem Sittenwächter die Bevölkerung schikanieren.

Mit schlichten Bildern und einer Geschichte, die bis zur letzten Minute fesselt, entfaltet Mohammad Rasoulof für das Kinopublikum, was es bedeutet, in einer durch und durch korrupten Gesellschaft zu leben. Welche Chance hat ein Einzelner, der gegen ein übermächtiges System opponiert? Ist es überhaupt möglich, in einer korrupten Gesellschaft Würde und moralisches Rückgrat zu wahren? Lädt Schuld auf sich, wer das Monster der Korruption füttert, um zu überleben? «In diesem Land bist du entweder Unterdrücker oder Unterdrückter», sagt eine Freundin aus Studienzeiten zu Reza. A Man of Integrity zeigt, dass die Grenze zwischen beiden Rollen verschwommener sind, als einem lieb ist.

A Man of Integrity, Iran 2017, 117 Minuten; Regie: Mohammad Rasoulof; Besetzung: Reza Akhlaghirad, Soudabeh Beizaee; Verleih: trigon-film; im Kino 12. April 2018.

  • Laura Lots,

    *1987, ist Mutter und Hausfrau, lohnarbeitet als Projektkoordinatorin in der Gleichstellung und in der Redaktionsleitung der Neuen Wege. Feministisch aktiv ist sie im Frauen*Zentrum in Zürich und bei der «Eidgenössischen Kommission dini Mueter».